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Gedichte > Gedichte 2002
13.08.2002
Zu mir kommen
Ich habe die Fähigkeit,
mich in Gedanken mit vielem zu beschäftigen.
Ich kann mich interessieren.
Ein gutes Buch kann mich fesseln.
Aber dahinter will ich etwas anderes.
Eine Theorie kann mich faszinieren.
Ich habe das Mitgehen beim Reden gelernt.
Ich weiß etwas über Sympathie.
Ich bin meistens ein guter Hörer.
Aber dahinter droht etwas verschüttet zu werden.
Ich will mir selbst nähertreten,
mich selbst aufspüren,
mich mit meiner eigenen Gegenwart überraschen,
weil ich ein Fremder
in meinem eigenen Haus bin.
Heute will ich mich darauf besinnen,
was mir wirklich etwas bedeutet.
Ich will sehen, ob ich das zu fassen kriege,
was nur Ahnung in mir ist.
Ich will mein Leben liebevoll behandeln.
Ich will all die Pflichten ablegen,
die meine Mitmenschen an mich herantragen.
Ich will mich nicht mehr
an Gepflogenheiten halten.
Ich will die Regeln, die mich zu einem
"lieben Menschen" machen sollen,
nicht anerkennen.
Ich lege das Noble ab.
Ich gehe heute weg von dir
und überlass dich dir selbst.
Ich verweigere mich. Ich grenze mich ab.
Ich bin nicht gegen jemand, sondern für mich.
Und dafür habe ich keine Schuldgefühle.
Bei mir rührt sich etwas,
dem will ich begegnen.
Es erhebt Anspruch auf mich,
ist aber noch sehr schüchtern.
Doch ich weiß,
dass ich es entdecken muss,
weil es der Schatz, der einzige Schatz ist,
den ich dir
zu geben
habe.
Darum finde ich auch dich,
wenn ich mich finde.
Aus: "Neues Umarmen" Ulrich Schaffer
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