Hauptmenü
News Biologie
Ursache für räumliche Desorientierung
Störungen der räumlichen Merkfähigkeit bzw. mangelndes Interesse an der räumlichen Umgebung kann durch eine veränderte Signalübertragung im sogenannten Hippocampus hervorgerufen werden.
Ein internationales Wissenschaftler-Team um Verena Tretter vom Zentrum für Hirnforschung der Medizinischen Universität Wien hat entsprechende Zusammenhänge bei genetisch manipulierten Mäusen gefunden. Tretter hat die Untersuchungen zum Teil während eines Gastaufenthaltes am University College in London durchgeführt.
Für die Studie veränderten die Wissenschaftler Neurotransmitter-Rezeptoren des Typs GABAA, die im Zentralnervensystem vorkommen und für eine Dämpfung vieler Nervenaktivitäten sorgen.
Beruhigende Wirkung
Vereinfacht gesagt bewirkt der Neurotransmitter GABA (Gamma-Aminobuttersäure), dass Nervenzellen, Neuronen, nicht so rasch feuern. Somit beruhigen diese Transmitter das ganze System.
Fehler dieses Transmittersystems werden für Krankheiten wie die Epilepsie, Schizophrenie, Angsterkrankungen oder auch das Premenstruelle Syndrom (PMS) verantwortlich gemacht. "Auch viele Beruhigungsmittel - wie Benzodiazepine, z. B. Valium - greifen über GABAA-Rezeptoren ins System ein", erklärte Tretter.
Räumliches Desinteresse
Durch gezielte Manipulation erzeugten die Wissenschaftler Mäuse, bei denen ein Regulationsmechanismus der GABAA-Rezeptoren über das Erbgut verändert ist. Während homozygote Mäuse, bei denen die Veränderung auf beiden Strängen der Erbsubstanz lokalisiert ist, nicht lebensfähig waren, zeigten heterozygote Tiere - also mit einseitiger Mutation auf den ersten Blick keine Auffälligkeiten.
Erst durch Verhaltensstudien einerseits und sogenannte histochemische Untersuchungen am Gehirn andererseits konnten die Auswirkungen sichtbar gemacht werden. Betroffen waren spezifische Zellen im Zentrum des Hippocampus. Bei Verhaltensstudien zeigten die betroffenen Tiere kein Interesse für räumliche Veränderungen von Objekten in einem ihnen bekannten Raum. Während normale Mäuse etwa neue oder auch umpositionierte Gegenstände heftig berochen und untersuchten, registrierten manipulierten Mäusen nur neue Objekte.
Laut noch nicht veröffentlichten Auswertungen sehen die Forscher auch Zusammenhänge der Situation im Hippocampus und Depressionen. Kurioserweise zeigten die räumlich desorientierten Tiere "eine adäquate, ausgewogene Gemütslage und neigten weniger zu Depressionen", so die Forscherin. Die Wissenschaftler sehen mögliche Parallelen mit bestimmten Krankheiten auch beim Menschen.
Quelle: science.ORF.at/APA