Magazin Denkausbruch


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Schizophrenie

Die Symptome

Die "spektakulärsten", auch Laien meist vertrauten Schizophrenie-Symptome der Halluzinationen und des Wahns gehören zusammen mit einigen anderen zur Gruppe der Plus-Symptome; ihnen ist gemeinsam, dass sie in akuten Krankheitsphasen, gelegentlich auch darüber hinaus, auftreten und meist mit medikamentöser Hilfe gut zu beherrschen sind. Halluzinationen sind Trugwahrnehmungen, die auf allen Sinnesgebieten ( optisch, akustisch, olfaktorisch etc.) auftreten können. Wer halluziniert, hört zum Beispiel Stimmen, ohne dass ein Anwesender spricht. Die meist akustischen Halluzinationen, welche Schizophreniekranke erleben, können z.B. den Charakter kommentierender (Jemand redet - gut oder schlecht - über mich.) oder imperativer (Jemand gibt mir eine Anweisung.) einzelner oder mehrerer Stimmen haben und können beunruhigend, ängstigend, in manchen Fällen aber auch angenehm erlebt werden.
Wer wahnhaft erlebt, ist einer festen Überzeugung, die für ihn selbst keiner Überprüfung bedarf (und die ihm im Übrigen auch nicht ausgeredet werden kann), und die - hier unterscheidet sich der Wahn von der religiösen oder weltanschaulichen Überzeugung - ihn in einem Ausmaß bestimmt, dass ein normales Leben behindert oder gar unmöglich gemacht wird. Wahnhaftes Erleben kann mit einem vagen Gefühl beginnen: "Hier stimmt irgend etwas nicht" und kann im systematisierten Wahn ein solches Ausmaß annehmen, dass alle Menschen und Dinge der Umgebung eines Kranken von ihm als zu einem System der Beeinträchtigung oder Verfolgung gehörig erlebt werden.
Neben Wahn und Halluzinationen rechnen wir zu den Plus-Symptomen noch Störungen des Denkens und des Affekts: Das Denken kann zum Beispiel blockiert ("Der Kopf ist leer.") oder assoziativ gelockert sein (Die einzelnen Gedanken des Betroffenen hängen - aus der Sicht von Außenstehenden - nicht oder kaum zusammen.). Die eindrucksvollste Affektstörung bei der Schizophrenie ist wohl die Parathymie, bei der die Gefühlslage eines Menschen zum Inhalt eines Gedanken oder einer Äußerung ganz unpassend ist: Zum Beispiel kann ein Psychosekranker dann lächelnd von quälenden Wahnerlebnissen sprechen.
Die schizophrene Minussymptomatik fällt dem Mitmenschen eines schizophren Erkrankten meist weniger als krankheitsbedingt auf, sie ist es aber, die das Ausmaß seiner seelischen Behinderung bestimmt, d.h. das Ausmaß, in dem ein Kranker an einer Teilnahme am Alltagsleben gehindert ist. Zugleich ist es die Minussymptomatik, die oft langwierig und schwer zu behandeln ist. Zu dieser Gruppe können gehören eine Verarmung des Affekts ("Ich kann nichts fühlen"), der Sprache, des Kontakts und des Antriebs. Diese Minussymptome machen es Angehörigen von Betroffenen oft schwer, zwischen einem krankheitsbedingten Nichtkönnen und einem Nichtwollen des Patienten zu unterscheiden, wenn dieser z.B. morgens nie aus dem Bett kommt und so einen Arbeitsplatz gefährdet.


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Psychopathologie - Status

  • Äussere Erscheinung
  • Kontaktverhalten: Beziehung zwischen _Patient und Untersucher
  • Bewußtsein, Aufmerksamkeit
  • Konzentration, Merkfähigkeit, Gedächtnis und Orientierung
  • Antrieb: erhöht, verlangsamt?
  • Stimmung: depressiv, ängstlich, euphorisch?
  • Gedankengang
  • Gedankeninhalt (Wahnideen, Halluzinationen, depressive Leitsymptome, Suizidalität)

Störungen des formalen Denkens

  • Verlangsamung
  • Hemmung
  • Perseveration
  • Umständlichkeit
  • Vorbeireden
  • Sperrung / Gedankenabreissen
  • Begriffsverschiebung / -zerfall / Kontamination
  • Neologismen (Wortneubildung)
  • Zerfahrenheit
  • Ideenflucht, Gedankendrängen
  • Logorrhoe

Störung des inhaltlichen Denkens

WAHN ZWANG
Beziehungswahn Zwangsgedanken
Beeinträchtigung Zwangshandlungen
Verfolgungswahn Zwangsimpulse
Grössenwahn
Eifersuchtswahn
Schuldwahn
nihilistischer Wahn ÜBERWERTIGE IDEEN

Störung der Affektivität (Gefühle)

  • Affektlabilität
  • Affektinkontinenz
  • Stimmungsschwankungen
  • Depressivität
  • Euphorie
  • Dysphorie (Gereiztheit)
  • Apathie
  • Parathymie (unpassende Gefühle)
  • Störung der Vitalgefühle
  • Angst
  • Phobie

Biographie als Kontext psychischer Probleme

Eine psychische Problematik muss immer auf dem Hintergrund der Biographie eines Menschen gesehen werden. Folgende Elemente gehören zur Erfassung der Lebensgeschichte:

Familiengeschichte:

  • Charakterisierung von Eltern, Bezugspersonen
  • Geschwister: Reihe, Beziehung
  • gab es in der Familie psychische Erkrankungen?

Kindheitsentwicklung:

  • Geburt (normal, kompliziert?)
  • frühe Kindheit (besondere Vorkommnisse?)
  • altersgemäße Entwicklung oder Verzögerung?
  • allgemeiner Gesundheitszustand, Familienatmosphäre
  • pathogene Umweltfaktoren
  • Aufenthalt in Heimen, Krankenhäusern, "broken home"?
  • Versagungen, Verwöhnungen?
  • Kindheitsängste
  • Schulalter: Kameraden? Einzelgänger?

Soziale Entwicklung:

  • Alter, Beruf, sozialer Status der Eltern
  • soziales Milieu, in dem der Patient aufgewachsen ist
  • Einschulung, Schulbildung, sonstige Ausbildung
  • Berufsausbildung, Wehrdienst
  • soziale Anpassung und Bewährung
  • Rollenübernahme, Freundschaften, Lebensstil
  • religiöse und ethische Orientierung, Weltanschauung
  • bisherige Lebensbewältigung, Bewältigung von Schwellensituationen

Sexualentwicklung:

  • Pubertät (wann?) Aufklärung?
  • Schwangerschaften, Geburten, Fehlgeburten, Abbruch?
  • sexuelle Beziehungen, ev. Abnormitäten?
  • Ehe, Familienplanung

Jetziger sozialer Status:

  • berufliche Stellung, Einstellung zur aktuellen beruflichen Situation
  • Wohnverhältnisse; Zivilstand, Kinderzahl

Selbstbeschreibung:

  • Charakterisierung durch sich selbst
  • Charakterisierung von weiteren Bezugspersonen
  • z.B. Freund(in), Verlobte(r), Ehefrau, Ehemann, Kinder
  • stabile Beziehungen (Freunde, Club-Kollegen)

Frühere psychische Erkrankungen:

  • Zeitpunkt, Dauer, Art und Behandlungsweise früherer psychischer Störungen und Erkrankungen,
  • vorausgegangene Suizidversuche
  • vorausgegangene psychotherapeutische Behandlung

Copyright A. Knoblauch / | info@denkausbruch.de

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