Magazin Denkausbruch


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Schizophrenien nach Schädel-Hirn-Trauma

Schizophrenie

„Die Schizophrenien nach Schädel- Hirn- Trauma und deren neuropathophysiologische
Mechanismen"


Problem: Wie ist fachlich und gutachterlich der Kausalzusammenhang zwischen einem Schädel-Hirn-Trauma (SHT) und einer späteren schizophrenen Psychose zu beurteilen ?
Methode: Literaturreview
Ergebnis: Ob eine schizophrene Psychose durch ein SHT verursacht werden kann, war historisch lange umstritten. Dabei spielen theoretische Konzepte eine große Rolle, wie die Unterscheidung der „endogenen" oder „echten" von den „exogenen" oder „organischen" bzw. „symptomatischen" Psychosen. Diagnosesysteme wie die ICD-10 diagnostizieren auch heute nur beim Fehlen organischer Erkrankungen eine Schizophrenie. Da Krankheit stets organisch ist, ist diese Einschränkung, auf die Spitze getrieben, offenbar unhaltbar.
Die Literatur berichtet zahlreiche Kasuistiken einer schizophrenen Psychose nach einem leichten, mittelschweren oder schweren SHT. Der Ausbruch kann sofort nach dem SHT, nach einem Intervall mit Brückensymptomen oder nach einem symptomarmen Intervall sein.
Studien an großen Gruppen Schädel- Hirn-Verletzter finden eine Häufung von Schizophrenien und anderen psychotischen Erkrankungen, sofern der Beobachtungszeitraum lang genug ist (mindestens 5-10 Jahre). Weder klinisch noch mit bildgebenden Verfahren lassen sich Lokalisationen angeben, deren Schädigung regelhaft von einer schizophrenen Psychose gefolgt wird, auch wenn Läsionen des temporalen und frontalen Cortex, der Basalganglien und des limbischen Systems das relativ größte Risiko haben und Schäden des sensomotorischen Kortex das geringste. Wahrscheinlich ist sind posthirntraumatische Schizophrenien meist vom paranoid-halluzinatorischen Typ.
Ein erheblicher Teil der „endogenen" Schizophrenien geht mit frühen Hirnschäden einher, die während Schwangerschaft und Geburt erworben wurden und anstelle einer genetischen Belastung treten können. Umgekehrt ist seit langem bekannt –und Grund der Einschränkung der ICD-10-, daß viele organische Erkrankungen wie Syphilis oder Hyperthyrioidie mit schizophrener Symptomatik einhergehen können. Typische Folgen eines SHT sind freilich dementielle und Abbauzustände aller Art.
Diskussion: Ein SHT setzt neben der Läsion am Einwirkungsort im gesamten Gehirn verteilte Läsionen, die wegen ihrer Kleinheit meist mit bildgebenden Verfahren nicht darstellbar sind. Pathophysiologisch können Störungen verschiedener Neurotransmittersysteme an verschiedenen Lokalisationen eine schizophrene Psychose hervorrufen; die weit verteilten kleinen Läsionen eines SHT können also an vielen Prädilektionsstellen wirksam werden.
Für die Anerkennung einer schizophrenen Psychose als Schädigungsfolge verlangt der Gesetzgeber einen geringeren Grad an Gewißheit als rein naturwissenschaftlich erforderlich wäre. Da dieser Gewißheitsgrad nach dem heutigen Kenntnisstand erreicht wird, kann eine schizophrene Psychose grundsätzlich als durch ein SHT verursacht anerkannt werden.

Lindemann Wolfgang B.


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