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Magazin Denkausbruch Gott, was ich nicht mehr will und was ich will

Gedichte > Gedichte 2001

Kempten 17. Aug. 2001


Gott, was ich nicht mehr will und was ich will

Ich will nicht mehr betteln.
Diese Erniedrigung passt nicht
zu einem Sohn Gottes.

Ich will nicht mehr unterwürfig knien.
Dann kann ich deine Augen nicht sehen
und gehe an deinem Angebot vorbei.

Ich will mich nicht verstecken
und bewusst tun, was ich tue,
auf dem Weg in die Reife.

Ich will mich nicht entschuldigen
Wie einer , der immer ungenügend ist.
Du hast mich doch gemacht.

Ich will mein Gesicht nicht vor dir verdecken.
Du sollst sehen, wer ich bin,
und ich will mich nicht mehr schämen.

Ich will mich nicht mehr verurteilen
wie einer, dem es immer um Schuld geht
und nicht um Wachstum.

Ich will keine Angst vor der Sünde haben,
weil die Angst
der Sünde die Macht gibt.

Ich will nicht mehr so tun,
als hätte ich keine Sehnsüchte und Träume.
In ihnen steckt der Hunger nach Leben.

Ich will keine Angst mehr vor dir haben,

weil Angst
trennt.
Ich
will leben,
bunt und auf dich zu,
wie eine Blume sich zur Sonne streckt.

Ich will weniger fromme Worte gebrauchen.
Ich will das Komplizierte an mir lieben.
Ich will freier mit dir sein, ohne Angst.
Ich will ein Sohn sein, der erwachsen wird.

Ich will aufrecht gehen.
Ich will denken ohne schlechtes Gewissen.
Ich will meine Phantasie ehren.
Ich will meine Freude genießen.
Ich will meinen Schmerz verstehen.
Ich will meinen Körper würdigen.

Ich will voll verantwortlich für mich sein.
Ich will echter werden.
Ich will mit mir ehrlich sein.
Ich will auf dich zugehen, weil ich es will.

Ich will mein Leben besitzen,
damit ich es weggeben kann,
wenn ich es will.

Ulrich Schaffer, Neues umarmen


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