Hauptmenü
News Biologie
Verräterische Hirnaktivität
Frühe Diagnose von Schizophrenie möglich
Ein neues Diagnoseverfahren, entwickelt unter anderem von deutschen Forschern, könnte dabei helfen, Schizophrenie deutlich früher als bisher zu erkennen. Mediziner hoffen, Betroffenen so schneller und effektiver helfen zu können.
München - Weltweit, so schätzen Mediziner, leidet rund ein Prozent der Bevölkerung an Schizophrenie, allein in Deutschland sind das rund 800.000 Menschen. Das Problem: Bislang dauert es drei bis fünf Jahre nach dem Auftreten der ersten Symptome, bis eine schizophrene Psychose erkannt wird. Dadurch geht wertvolle Behandlungszeit verloren.
Ein internationales Forscherteam, zu dem auch Wissenschaftler aus München und Jena gehören, glaubt nun, mit einem neuen Diagnoseverfahren das Auftreten von Schizophrenie viel früher vorhersagen zu können.
Die Wissenschaftler erkennen die sich entwickelnde Psychose anhand von Messungen im Kernspintomografen. Mit einer speziellen Software werten sie die Bilder dann aus, berichten die Wissenschaftler im Fachmagazin "Archives of General Psychiatry" .
Die Aktivitätsmuster der Gehirne von Menschen, die später mit hoher Wahrscheinlichkeit einmal an Schizophrenie erkranken, sind nach Angaben der Forscher klar erkennbar. Der beteiligte Münchner Psychiater Hans-Jürgen Möller sprach von einem "großen Erfolg für die psychiatrische Hirnforschung". Wenn die Behandlung bereits im Vorstadium der Erkrankung einsetzen könne, dann lasse sich der Ausbruch der Schizophrenie mit Wahnerlebnissen, Halluzinationen und Denkstörungen verhindern oder zumindest abmildern.
Bis heute ist nicht klar, welche Ursachen die Schizophrenie hat. Forscher glauben aber, dass es bei einem Teil der Betroffenen charakteristische Erbgutveränderungen gibt. Man vermutet spontane Mutationen, die, wenn sie Gene für die Hirnfunktion treffen, Schizophrenie quasi aus dem Nichts auslösen können. Allerdings könnten Mutationen nur einen kleinen Teil aller Schizophrenie-Fälle erklären. Dennoch sei dies ein guter Ausgangspunkt für weitere Untersuchungen.
Quelle: www.spiegel.de/chs/dpa