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Die Laienhelfer der Superlative

Gesellschaft

Harald Gerischer, Ingeborg und Günther Schönharting über 20 Jahre im Einsatz

Bad Abbach/Eichhofen – Mit ehrenamtlichem Engagement über mehr als zwei Jahrzehnte brechen Harald Gerischer, Ingeborg und Günther Schönharting Rekorde: Als Laienhelfer des Sozial-psychiatrischen Dienstes (SpDI) der Diakonie Regensburg unterstützen sie psychisch kranke Menschen im Alltag.

Von Kathrin Kammermeier

Harald Gerischer ist ein Mann der ersten Stunde: Per Zeitungsnotiz wurde der Bad Abbacher auf die vor 26 Jahren neugegründete Einzellaienhilfe aufmerksam. Er blieb dabei und betreut bis heute den Menschen, um den er sich als Erstes kümmerte. Obwohl dieser Mann eine schwierige Persönlichkeit hat, ist es Gerischer gelungen, sein Vertrauen zu gewinnen. „Mittlerweile ist eine echte Freundschaft daraus geworden“, sagt der 76-Jährige.

Betreuer und Betreuter treffen sich alle zwei Wochen. Cafébesuche und Ausflüge lassen viel Raum für Gespräche. „Seit wir uns kennen, hat mein Freund eine enorme Entwicklung hingelegt“, sagt Gerischer. „Allein durch das Gefühl, ernst genommen zu werden.“ Der Kontakt hielt sogar, als der ehemalige Industriemanager ein paar Jahre im Ausland verbrachte. „Ich kam jedes Wochenende nach Hause“, sagt Gerischer. „Da musste meine Familie einfach ein paar Stunden auf mich verzichten.“

Die Laienhilfe gehört seit zwei Jahrzehnten zum Leben von Dr. Günther Schönharting und seiner Frau Ingeborg. Die beiden bilden ein echtes Unikum: Denn ein Ehepaar, das gemeinsam ehrenamtlich tätig ist, gibt’s im SpDI Regensburg nur dieses eine Mal.

Die gegenseitige Unterstützung tut gut, denn psychisch Kranke zu begleiten kann zermürbend sein. „Vor allem die Anfangsjahre waren total erschöpfend“, sagt Dr. Günther Schönharting. „Man darf sich in dem Miteinander nicht selbst verlieren.“ Auch er betreut von Beginn an denselben ihm Anvertrauten. „Mein Freund kommt uns gelegentlich besuchen und bleibt dann über Nacht.“ Auch Ingeborg von Schönharting nutzt die malerische Umgebung von Eichhofen für ausgedehnte Spaziergänge mit den von ihr Betreuten. Raus in die Natur sei für Mensche, die an Schizophrenie, Wahnvorstellungen oder Depressionen leiden, besonders wichtig. „Das tut einfach gut“, sagt die gelernte Logopädin.

Doch das Engagement hat Grenzen: Laienhelfer sind weder Psychiater noch Therapeuten. „Wir sind nur Begleiter“, sagt Dr. Günther Schönharting. Der Gedanke, jemandem wirklich helfen bzw. heilen zu können, „ist jetzt, nach 20 Jahren, weg“. Was zähle sei Zuwendung und ein offenes Ohr“, sagt auch Harald Gerischer.

Alle drei sehen ihren ehrenamtlichen Verdienst nicht als Rekord, sondern als Selbstverständlichkeit. „Psychisch Kranke gehören zur Gesellschaft und zum Menschsein dazu“, sagt Dr. Schönharting. Durch die Laienhilfe verstehe er sein eigenes, gesundes Leben jetzt viel besser. „Man lernt einfach sehr viel“, bestätigt Ingeborg Schönharting. Auch Harald Gerischer zieht einen Nutzen aus dem ehrenamtlichen Engagement: „Das eigene Denken und Fühlen verändert sich“. Nach seiner Pensionierung mit dem Wohnwagen durch Welt zu gondeln oder vorm Fernseher zu gammeln – das kam für den 76-Jährigen nicht in Frage. „Ich kann viel geben, habe aber noch mehr bekommen“. Das erfüllt Gerischer mit Glück: „Die innere Befriedigung ist nicht zu messen.“

Seit 1985 verfügt der Sozialpsychiatrische Dienst der Diakonie Regensburg über die Hilfe für einzelne Erkrankte durch Laien. Unter der Leitung von Diplom-Psychologin Dr. Christina Strehl werden die Laienhelfer eingearbeitet. Außerdem finden für alle Freiwilligen regelmäßig Gespräche und Fortbildungen statt. Derzeit engagieren sich 48 Ehrenamtliche: Sie begleiten jeweils einen psychisch kranken Menschen im Alltag. Genug sind das noch lange nicht. Traumziel des SpDI für 2011: auf 50 Laienhelfer aufzustocken. „Es könnten aber auch 100 sein“, sagt Dr. Strehl angesichts der Zahl der Menschen, die eine solche Unterstützung bräuchten.

Quelle: blizzaktuell.de


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