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Wir können nicht stehen – was wir können ist: Nicht umfallen
Wir sind in jeder Sekunde unseres Lebens damit beschäftigt, unser Gewicht gegenüber der Schwerkraft zu kontrollieren. Dies geschieht in ständigen, zirkulären neuronalen Fehlerkorrektur-Prozessen.
Mit anderen Worten: Die Steuerung der Aktivitäten befindet sich nicht im Kopf – die Steuerung beruht auf unzähligen zirkulären Kreisläufen zwischen den sich gegenseitig bedingenden Faktoren der Aktivität, der Wahrnehmung und der Fehlerberechnung und –korrektur durch das zentrale Nervensystem. Nur das Zusammenspiel der drei Faktoren macht die Steuerung aus.
Die Kinästhetik (engl. Kinaesthetics, durch die Sinne wahrgenommene Bewegung) ist ein Instrument zur Analyse von menschlichen Bewegungsmustern, das in den USA entwickelt wurde. Die Bezeichnung „Kinästhetik“ ist eine Kombination der beiden griechischen Wörter „kinesis“ (Bewegung) und „aesthesie“ (Wahrnehmung). Ganz allgemein formuliert befasst sich die Kinästhetik mit dem Studium der menschlichen Bewegung, die für die Ausübung der Aktivitäten des täglichen Lebens erforderlich ist.
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Die sechs Konzepte der Kinaesthetik helfen dem Studium der menschlichen Bewegung, die für die Ausübung der Aktivitäten des täglichen Lebens erforderlich ist.
Mit dem Konzept Interaktion wird der kommunikative Austausch zwischen Bewegungsgeber und Bewegungsempfänger betrachtet.
Funktionale Anatomie beobachtet die Gewichtsverläufe und deren Schwerkräfte, und dazu die Möglichkeiten und Grenzen der Beweglichkeit.
Menschliche Bewegung schaut auf die Einzelbausteine einer Bewegung, wie auf Bewegungsmuster.
Das Konzept Anstrengung will die Eigenaktivität des Bewegungsempfängers fördern, aber Anstrengung reduzieren, durch gezieltes Ziehen oder Drücken.
Menschliche Funktion zielt auf eine gewünschte Körperposition, und danach auf gebesserte stabilere Balance in der Schwerkraft.
Umgebung meint, dass äußere Faktoren wie Raum oder Einrichtung betrachtet werden, und ob sie Bewegung befördern oder hindern.
Die wichtigsten Grundlagen, welche den Pflegenden durch das Kinästhetik-Programm in der Pflege vermittelt werden, um das oben Genannte zu erreichen, sind folgende:
1. Leben ist ein dauernder Veränderungs- und Anpassungsprozess. Alle Menschen regulieren diesen Prozess durch die eigene Bewegung in täglichen Aktivitäten. Die Art und Weise der Bewegung in diesen Aktivitäten beeinflusst alle Entwicklungsprozesse. Dieser Einfluss kann sowohl konstruktiv als auch destruktiv sein, kann sich also positiv oder negativ auf die Gesundheit des Menschen auswirken.
2. Auch alle inneren Prozesse wie Atmung, Verdauung usw. sind Bewegungsprozesse. Diese werden ebenfalls durch die eigene Bewegung in den täglichen Aktivitäten reguliert. Das bedeutet, dass die Effizienz der inneren Prozesse direkt auf die Qualität der Bewegungen im täglichen Leben zurückzuführen ist.
3. Menschen entwickeln die eigenen Bewegungsfähigkeiten, indem sie der Bewegung von anderen Menschen folgen.
4. Erkrankte Menschen müssen neu entdecken, wie sie ihr Gewicht gegenüber der Schwerkraft kontrollieren können. Sie tun dies, indem sie neue Bewegungsmöglichkeiten entdecken, um die alltäglichen Aktivitäten durchzuführen.
5. Die Hilfe der Pflegenden, vor allem die Art und Weise wie sie die Bewegungen der Patienten unterstützen, kann den Lernprozess konstruktiv oder destruktiv beeinflussen.
6. Das wichtigste Entwicklungsangebot für Erkrankte ist die kompetente Begleitung der Pflegenden. Je fähiger die betreuenden Personen sind, umso gezielter können sie die Gesundheits- und Lernprozesse der Patienten unterstützen.
7. Die dafür nötige Bewegungskompetenz der Erkrankten und pflegenden Personen ist keine angeborene Kompetenz. Sie muss wie anderes Fachwissen gelernt werden.
Quelle: www.wikipedia.org / AK Artikel verkürzt