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Schizophrenie
Wirkung und Nebenwirkung eines Antipsychotikums sind die wesentlichsten Faktoren, die die Compliance von Schizophreniepatienten bestimmen. Darüber hinaus verbessern einfache Medikamentenregimes die Therapietreue, wobei moderne Depot-Neuroleptika eine wesentliche Rolle spielen können.
Mit der Entwicklung antipsychotischer Therapieformen haben sich auch die Therapieziele bei der Behandlung von Schizophreniepatienten verändert. Während vor der Einführung der ersten Antipsychotika in den 1950er-Jahren Aggression, Selbst- und Fremdgefährdung im Zentrum des therapeutischen Interesses standen, wandelten sich die therapeutischen Ziele im Laufe der Jahrzehnte von der Kontrolle der Positiv- und Negativsymptomatik über Verbesserungen des
Nebenwirkungsspektrums bis hin zu heutigen ganzheitlichen Konzepten, bei denen die Verbesserung der Lebensqualität sowie die soziale und berufliche Rehabilitation im Fokus stehen. „Wir sind uns jedoch der Tatsache bewusst, dass dies mit einer alleinigen medikamentösen Behandlung nicht erreichbar ist, sodass die Kombination mit psychosozialen und psychotherapeutischen Maßnahmen eine große Rolle spielt“, weiß Univ.-Prof. Dr. Ion-George Anghelescu, Direktor der Experimental Medicine Neuroscience, Janssen R&D, Beerse (B).
Ein entscheidender Faktor, der die Therapieresultate einer Schizophreniebehandlung maßgeblich beeinflusst, ist die Adhärenz. „Wird ein Medikament von einem Schizophreniepatienten über einen gewissen Zeitraum in einer angemessenen Dosis eingenommen, ist die Wahrscheinlichkeit eines Rückfalls unabhängig vom gesamten Behandlungsplan signifikant geringer“, so Anghelescu. Medikamente, bei deren Absetzen nicht unmittelbar Schmerzen drohen, sind potenziell mit schlechterer Compliance verbunden. Dies gilt für psychiatrische ebenso wie für nicht psychiatrische Pharmaka. „Bei der Schizophrenie wird die Compliance jedoch zusätzlich durch krankheitsimmanente Faktoren, wie mangelnde Einsicht in den Nutzen der Therapie oder wahnbedingte Vergiftungsängste, beeinflusst“, so Anghelescu.
Mit zunehmender Therapiedauer nimmt die Compliance-Rate sukzessive ab. Während 7 bis 10 Tage nach der Entlassung aus der stationären Behandlung rund 25% der Patienten zumindest partiell non-compliant sind, steigt der Anteil nach einem Jahr auf 50% und nach 2 Jahren auf 75% (Abb.).[1] Der wichtigste Grund für die Nichteinnahme ist laut Anghelescu, dass der Patient sich wohlfühlt und die Medikation daher selbstständig absetzt.
Beeinflussung der Compliance
Zwischen Compliance und Non-Compliance liegt ein breites Spektrum, das von der vollständigen Ablehnung der Medikamenteneinnahme über gelegentliches und unregelmäßiges Einnehmen bis hin zur Übercompliance reichen kann. Bestimmte Krankheitskonzepte und Einstellungen können die Therapieadhärenz fördern oder behindern. Nachgewiesene Risikofaktoren für Non-Compliance sind mangelnde Krankheitseinsicht, negative Einstellung oder fehlende subjektive Wirksamkeit in Hinblick auf die antipsychotische Medikation, vorausgegangene Phasen von Non-Compliance, Alkohol- oder Drogenabusus, unzureichende Entlassungsplanung und ambulante Versorgungsstrukturen, fehlende therapeutische Allianz sowie kürzerer Krankheitsverlauf. Andererseits lässt sich die Compliance durch Maßnahmen wie Vermeidung von Behandlungsverzögerung, verbesserten Übergang zur ambulanten Versorgung,
einfache Medikamentenregimes, wobei Depot-Neuroleptika eine wesentliche Rolle spielen können, fördern. Darüber hinaus sollten Neben- wirkungen nach Möglichkeit vermieden werden und eine Supervision der Medikamenteneinnahme auch ambulant erfolgen.
Neue Depot-Antipsychotika
Die frühzeitige pharmakotherapeutische Akutbehandlung einer Erstmanifestation zeigt einen günstigen Einfluss auf die Langzeitprognose und verringert Chronifizierungen. So lauten die grundsätzlichen Therapieempfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN):[2] bei Erstmanifestation eine Erhaltungstherapie für mindestens 1 bis 2 Jahre und bei zwei oder mehr Manifestationen mindestens für 4 bis 5 Jahre bzw. unbegrenzte Erhaltungstherapie. Hier können Depot-Antipsychotika eine wichtige Rolle spielen, wobei bisherige konventionelle Depot-Neuroleptika hauptsächlich bei Non-Compliance oder nicht voll remittierten Patienten eingesetzt werden. Neue, atypische Depot-Antipsychotika weisen im Vergleich zu konventionellen ein günstigeres Nebenwirkungsprofil auf, verbessern damit die Adhärenz der Schizophreniepatienten und führen zu einer Verringerung des Rezidivrisikos.[3]
Referenzen:
[1] Weiden PJ et al, J Prac Psych Behav Hlth 1997; 3: 106-110
[2] DGPPN-Praxisleitlinien in: Psychiatrie und Psychotherapie, Band 1
[3] Heres S et al, Int Clin Psychopharmacol 2007; 22(5): 275-282
Bericht: Mag. Harald Leitner
Quelle: 12. Tagung der ÖGPB, Satellitensymposium „Antipsychotika mit verzögerter Wirkstofffreisetzung“ von Janssen-Cilag,, 12. November 2010, Wien / universimed.com