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Praxis-Leitlinie
7. Behandlung unter besonderen Bedingungen
7.1 Behandlung in der initialen Prodromalphase
In den weitaus meisten Fällen gehen der psychotischen Erstmanifestation uncharakteristische Störungen von Antrieb und Emotionalität, von Denk- und Sprechweisen, von Wahrnehmung und Propriozeption sowie Anzeichen erhöhter Anspannung und herabgesetzter Belastbarkeit voraus. Solche subjektiven, häufig subklinischen Beeinträchtigungen des Denkens, Wahrnehmens und Empfindens können retrospektiv als Vorläufersymptome (initiale Prodrome) bei über 70% der schizophrenen Ersterkrankten beobachtet werden.
Therapieelemente der Frühintervention
(107) Good Clinical Practice.
Der vollentwickelten schizophrenen Psychose gehen in ca. 75% der Fälle eine präpsychotische Prodromalphase im Mittel von mehrjähriger Dauer und nachfolgend eine mehr oder weniger rasche Entwicklung psychotischer Symptome von einem Jahr mittlerer Dauer als psychotische Frühphase voraus. Deswegen sollten die während der Frühphase bereits in Behandlung kommenden Kranken
Diagnostik/Therapie komorbider Störungen
(108) Empfehlungsgrad C.
Bei Kranken, die in der Prodromalphase oder in der ersten psychotischen Episode in Behandlung kommen, ist ein sorgfältiges Screening auf den Konsum psychoaktiver Substanzen (Missbrauch oder Abhängigkeit), insbesondere auf noradrenerg und dopaminerg wirkame Drogen (Amphetamine, Cannabis, Kokain) sowie die Beachtung depressiver Verstimmungen und einer eventuellen Komorbidität mit körperlichen Erkrankungen erfoderlich.
Vorgehen bei der Frühintervention
(109) Good Clinical Practice.
Kranke, die in der präpsychotischen Prodromalphase oder in der beginnenden psychotischen Episode zur Behandlung kommen, sollten
Pharmakotherapie
Therapie mit Antipsychotika
(110) Empfehlungsgrad C.
Der Einsatz von Antipsychotika in der Prodromalphase ist noch Gegenstand der Forschung und sollte nur bei vorliegen von zumindest abgeschwächten (attenuierten) oder kurzdauernden psychotischen Symptomen unter Berücksichtigung der Gesamtsituation durchgeführt werden.
Auswahl und Dosis des Antipsychotikums
(111) Empfehlungsgrad C.
Eine pharmakotherapeutische Intervention in der Frühphase der psychotischen Episode sollte aufgrund des besseren Risiko-Nutzen-Verhältnisses mit einem nach Wirkprofil geeigneten atypischen Antipsychotikum in niedriger Dosis durchgeführt werden.
Therapie mit anderen Psychopharmaka
(112) Empfehlungsgrad C.
Bei entsprechender Indikation – erhebliche depressive Verstimmung oder innere Unruhe und krankhafte Angst in der präpsychotischen Prodromalphase – sollte nach den üblichen Richtlinien eine antidepressive oder anxiolytische Pharmakotherapie erfolgen.
Psychotherapeutische Intervention
Elemente in der Psychotherapie
(113) Empfehlungsgrad C.
Zur psychotherapeutischen Interventionen im Frühverlauf, d. h. in der präpsychotischen Prodromalphase und im Frühstadium der ersten psychotischen Episode sollten entweder eine kognitive Verhaltenstherapie oder eine psychoedukative Intervention unter Einschluss einer individuellen Lösung aktueller Konfliktsituationen, supportiver Gespräche und dem Angebot einer Einbeziehung der Angehörigen (bei Zustimmung des Patienten) zur Anwendung kommen.
Verhaltenstherapeutische Elemente im Gruppensetting und ein Training kognitiver Fertigkeiten können diese Therapieelemente ergänzen.
Hilfesysteme, soziotherapeutische und ergotherapeutische Interventionen
Sozio- und Ergotherapie
(114) Empfehlungsgrad C.
Sozio- und ergotherapeutische Interventionen zur Verringerung oder Vermeidung sozialer Folgen sollten dem Patienten in der präpsychotischen Phase oder mit beginnender psychotischer Störung ergänzend angeboten werden.
Quelle: www.uni-duesseldorf.de
Verfahren zur Konsensbildung:
Methodik:
Angaben zur Methodik und zur Konsensusfindung sind im Methodikteil der gedruckten Langfassung zu finden.
Herausgeber
Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN)
Koordination:
Leitlinienprojektgruppe
Profs Gaebel W und Falkai P
Drs Wobrock T und Weinmann D
Kontaktadresse (Leitliniensekretariat):
Prof. Dr. Peter Falkai
Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie
Universitätsmedizin Göttingen
Von-Siebold-Str.5
37075 Göttingen
E-mail: Peter.Falkai@medizin.uni-goettingen.de
Erstellungsdatum:
10/1998
Letzte Überarbeitung:
11/2005
Nächste Überprüfung geplant:
11/2008, verlängert bis 11/2010