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Praxis-Leitlinie
6.5 Stationäre Behandlung
Trotz der sinnvollen zunehmend wohnort- und gemeindenahen Behandlung der Schizophrenie erscheint ein Mindestmaß an stationären Betten für Menschen mit schizophrenen Psychosen zur Krisenintervention, für besondere Therapien und zur gesetzlichen Unterbringung notwendig.
Indikation zur stationären Therapie
(98) Good Clinical Practice.
Eine stationäre Behandlung kann einen erheblichen Eingriff in die Lebenskontinuität bedeuten. Alternativen zur stationären Aufnahme sollten in jedem Fall von Wiedererkrankung geprüft werden.
Stationäre Behandlung ist dann inidziert, wenn der Patient der besonderen diagnostischen und therapeutischen Mittel oder des Schutzes des Krankenhauses wegen Selbst- oder Fremdgefährdung bedarf. Dies kann z. B. der Fall sein bei Therapieresistenz, manifester Suizidgefahr, ausgeprägten Wahn- oder Angstzuständen, nicht gewährleisteter Ernährung und Pflege, ausgeprägter Antriebshemmung oder Adynamie, die Remission behindernden familiären Konflikten, die Behandlung komplizierenden Begleiterkrankungen oder sonstigen nicht ambulant zu versorgenden Problemen.
(99) Good Clinical Practice
Bei Erfordernis stationärer Behandlung sollten wenn möglich kurze, geplante Aufenthalte angestrebt werden.
Kriseninterventionsteams im Gemeindeumfeld
(100) Empfehlungsgrad A.
Psychiatrische Notdienste, sozialpsychiatrische Dienste, Netzwerke niedergelassener Fachärzte und/oder Ambulanzen von Kliniken sollten die Funktion von gut erreichbaren und möglichst mobilen Kriseninterventionsteams in definierten Versorgungsregionen übernehmen, um den Bedürfnissen von Menschen mit schizophrener Psychose an ihrem Wohnort zu entsprechen und stationäre Aufnahmen wenn möglich zu vermeiden.
Soteria und Therapie ohne Antipsychotika bei Ersterkrankung
(101) Empfehlungsstärke B.
Es existiert eine Subgruppe von Patienten, die nach einer ersten psychotischen Episode ohne Antipsychotika remittieren Eine klare Identifikation dieser Patienten ist derzeit nicht möglich. Eine generelle Empfehlung zur Therapie ohne Antipsychotika kann daher nicht gegeben werden. Eine Übernahme von Soteria-Elementen in die Routineversorgung zur Stärkung der psychosozialen Behandlung, Verbesserung der Behandlungsatmosphäre und Gemeindeorientierung sollte erwogen werden. Dies gilt insbesondere für die empathische und einfühlsame Haltung der Mitarbeiter gegenüber den Patienten.
Quelle: www.uni-duesseldorf.de
Verfahren zur Konsensbildung:
Methodik:
Angaben zur Methodik und zur Konsensusfindung sind im Methodikteil der gedruckten Langfassung zu finden.
Herausgeber
Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN)
Koordination:
Leitlinienprojektgruppe
Profs Gaebel W und Falkai P
Drs Wobrock T und Weinmann D
Kontaktadresse (Leitliniensekretariat):
Prof. Dr. Peter Falkai
Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie
Universitätsmedizin Göttingen
Von-Siebold-Str.5
37075 Göttingen
E-mail: Peter.Falkai@medizin.uni-goettingen.de
Erstellungsdatum:
10/1998
Letzte Überarbeitung:
11/2005
Nächste Überprüfung geplant:
11/2008, verlängert bis 11/2010