Magazin Denkausbruch


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Praxis-Leitlinie

4.5 Nebenwirkungen antipsychotischer Therapie und ihre Behandlung

(53) Good Clinical Practice.
Patient, Angehöriger und Betreuer sollten nicht nur über mögliche Nebenwirkungen aufgeklärt, sondern auch hinsichtlich der auftretenden Zeichen (Symptome) hierfür informiert und bezüglich der jeweils gegebenen Therapiemöglichkeiten beraten werden.


Behandlung von Nebenwirkungen

Unerwünschte neurologische Nebenwirkungen

(54) Empfehlungsstärke C.
Beim Auftreten von extrapyramidal-motorischen Störungen (EPS) unter einer antipsychotischen Behandlung ist im Rahmen einer Risiko-Nutzen-Abwägung eine Umstellung auf ein nebenwirkungsärmeres atypisches Antipsychotikum sinnvoll.


(55) Empfehlungsstärke C.
Bei Frühdyskinesien ist zur Akuttherapie je nach Schweregrad die orale oder intravenöse Gabe eines Anticholinergikums empfohlen, da dies in der Regel zu einer raschen Besserung führt.


(56) Empfehlungsstärke C.
Bei dem Auftreten eines Parkinsonoids sollte eine Dosisreduktion des Antipsychotikums erfolgen, wenn dies anhand des psychopathologsichen Befundes vertretbar ist.


(57) Empfehlungsstärke C.
Zur Behandlung eines neuroleptikainduzierten Parkinsonoids sollten in erster Linie Anticholinergika wie z. B. Biperiden eingesetzt werden, als Alternative kann L-Dopa verwendet werden.

(58) Empfehlungsstärke A.
Bei medikamentöser Behandlungsnotwendigkeit einer Akathisie sollten als erste Wahl Benzodiazepine, bei Beachtung der Richtlinien zur Anwendung von Benzodiazepinen, oder Betablocker eingesetzt werden.


(59) Empfehlungsstärke B.
Bei dem Auftreten von Spätdyskinesien sollte zunächst eine vorsichtige Reduktion der Dosis des Antipsychotikums unter Beachtung des psychopathologischen Befundes erfolgen.


(60) Empfehlungsstärke B.
Bei der medikamentösen Therapie der Spätdyskinesien sollte langfristig auf ein atypisches Antipsychotikum umgesetzt werden, wobei die beste "Evidenz" für eine Besserung der tardiven Dyskinesien für eine Behandlung mit Clozapin vorliegt.


(61) Good Clinical Practice.
Bei Auftreten eines malignen neuroleptischen Syndroms (MNS) empfiehlt sich das unverzügliche Absetzen der antipsychotischen Medikation, die Stabilisierung und Aufrechterhaltung der Vitalfunktionen unter kontinuierlicher Überwachung, die Fiebersenkung sowie die Verhinderung von Komplikationen unter Einbeziehung intensivmedizinischer Maßnahmen.


(62) Empfehlungsstärke C.
Bei der spezifischen Therapie des gesicherten malignen neuroleptischen Syndroms sollten in erster Linie Dantrolen, Bromocriptin und Amantadin eingesetzt werden. Bei leichteren Formen oder diagnostischer Unsicherheit ist auch die Gabe von Benzodiazepinen (z. B. Lorazepam) zu empfehlen. Bei fehlender oder unzureichender Wirksamkeit ist frühzeitig die EKT einzusetzen.


Unerwünschte metabolische Wirkungen

(63) Empfehlungsstärke C.
Bei dem Auftreten einer antipsychotikainduzierten stärkeren Gewichtszunahme, die mit dem Risiko weiterer gesundheitlicher Beeinträchtigungen verknüpft ist, sollte ein Umsetzen auf ein atypisches Antipsychotikum mit diesbezüglich besserem Nebenwirkungsprofil erfolgen, wenn dies vom psychopathologischen Befund her vertretbar ist.


(64) Empfehlungsstärke B.
Bei einer antipsychotikainduzierten Gewichtszunahme sollte zumindest über eine mehrwöchige Zeitdauer eine regelmäßige psychoedukative Intervention durchgeführt werden, in der neben der intensivierten Wissensvermittlung auch Hinweise zur gesunden Lebensführung vermittelt werden.


(65) Empfehlungsstärke C.
Bei starker Gewichtszunahme und der Notwendigkeit, die bestehende antipsychotische Medikation fortzuführen, ist ein Behandlungsversuch mit einem Histamin- H2-Blocker (Nizatidin, Ranitidin) oder einem Antidepressivum (Reboxetin, Fluvoxamin) gerechtfertigt.


Kontrolluntersuchungen

Patienten, Angehörige und Betreuer sollten über die erforderlichen Kontrolluntersuchungen ausreichend informiert werden. Insbesondere sollte über das Risiko von Diabetes, Gewichtszunahme und Fettstoffwechselstörungen explizit aufgeklärt werden und die klinischen Zeichen einer Hyperglykämie wie Müdigkeit, Durst und Polyurie erläutert werden. Es sollte versucht werden, Risikopatienten vorab zu identifizieren und stärker zu überwachen. Risikofaktoren für das Auftreten von Typ-II-Diabetes und verminderter Glukosetoleranz sind positive Familienanamnese für Diabetes mellitus, höheres Alter, abdominale Adipositas, bestimmte ethnische Zugehörigkeit, verminderte körperliche Aktivität, bestimmte Essgewohnheiten und vorbestehende Fettstoffwechselstörungen. Regelmäßige Kontrolluntersuchungen des Körpergewichtes, Blutzuckers und der Blutfette sind zu empfehlen (siehe Tabellen 4.4 a und 4.4 b).


Tabelle 4.4 a. Metabolische Untersuchungen unter Antipsychotikatherapie

Tabelle 4.4 b. Weitere Kontrolluntersuchungen unter Antipsychotikatherapie

Quelle: www.uni-duesseldorf.de

Verfahren zur Konsensbildung:

Methodik:
Angaben zur Methodik und zur Konsensusfindung sind im Methodikteil der gedruckten Langfassung zu finden.

Herausgeber
Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN)

Koordination:
Leitlinienprojektgruppe
Profs Gaebel W und Falkai P
Drs Wobrock T und Weinmann D

Kontaktadresse (Leitliniensekretariat):
Prof. Dr. Peter Falkai
Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie
Universitätsmedizin Göttingen
Von-Siebold-Str.5
37075 Göttingen
E-mail: Peter.Falkai@medizin.uni-goettingen.de

Erstellungsdatum:
10/1998
Letzte Überarbeitung:
11/2005
Nächste Überprüfung geplant:

11/2008, verlängert bis 11/2010


Copyright A. Knoblauch / | info@denkausbruch.de

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