Magazin Denkausbruch


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Praxis-Leitlinie

4. Pharmakologische und andere somatische Behandlungsverfahren

4.3.1 Akutphase

Allgemeines

(10) Good Clinical Practice.
Während der Akutphase sollte in angemessenen Abständen eine Überprüfung und Dokumentation des psychopathologischen Befundes erfolgen, so dass eine Eigen- und Fremdgefährdung rechtzeitig erkannt wird und eine Beurteilung des Ansprechens auf die Therapie möglich ist.


Erstmanifestation

Patienten mit einer schizophrenen Erstmanifestation zeigen im Durchschnitt im Vergleich zu mehrfach Erkrankten


  • eine höhere Ansprechrate auf die antipsychotische Pharmakotherapie
  • niedrigere Rückfallraten während der Erhaltungstherapie
  • ein Ansprechen bereits auf eine niedrigere antipsychotische Dosierung und
  • eine höhere Empfindlichkeit für unerwünschte Arzneimittelwirkungen, insbesondere für extrapyramidal-motorische Störungen.


(11) Empfehlungsgrad C.
Im Falle einer Ersterkrankung sollte eine frühestmögliche antipsychotische Behandlung bei den ersten akuten Symptomen einer Schizophrenie erfolgen, ein geringes Zuwarten bei notwendiger diagnostischer Klärung unter einer Bedarfsmedikation mit Benzodiazepinen ist jedoch gerechtfertigt.

(12) Empfehlungsgrad B.
Bei schizophrenen Ersterkrankungen sollten aufgrund der gegenüber den typischen Antipsychotika zumindest vergleichbaren Wirkung auf die Positivsymptomatik, Hinweisen auf eine überlegene Wirksamkeit bezüglich der Negativsymptomatik und geringerer dosisabhängiger extrapyramidal-motorischer Nebenwirkungen in erster Linie Atypika eingesetzt werden. Allerdings müssen hierbei die substanzspezifischen Nebenwirkungen berücksichtigt werden.


(13) Empfehlungsgrad C.
Bei schizophrenen Ersterkrankungen sollten Antipsychotika im Hinblick auf die Nebenwirkungen möglichst niedrig dosiert werden.


Pharmakotherapie bei Wiedererkrankung

Bei einer akuten Wiedererkrankung, also eines akuten schizophrenen Rezidivs, sollte nach den möglichen Ursachen gesucht werden. So ist die medikamentöse Compliance oder Therapieadhärenz zu evaluieren und der Rückfall dazu in Bezug zu setzen.


(14) Empfehlungsgrad C.
Die Pharmakotherapie sollte bei einer akuten Exazerbation wegen des oft bestehenden hohen Leidensdrucks mit dem Risiko einer Eigen- oder Fremdgefährdung so rasch wie möglich ohne langes Zuwarten wieder aufgenommen oder intensiviert werden.


Auswahl der Medikation

(15) Empfehlungsgrad A.
Zur Behandlung der akuten schizophrenen Episode sollten Antipsychotika als Mittel der Wahl eingesetzt werden.


(16) Empfehlungsgrad A.
Bei der Behandlung der akuten schizophrenen Episode stellen atypische Antipsychotika aufgrund der geringeren Rate an extrapyramidal-motorischen Störungen bei vergleichbarer Wirksamkeit gegenüber konventionellen Antipsychotika Medikamente der ersten Wahl dar, falls nicht der Patient selbst konventionelle Antipsychotika präferiert oder er darauf bereits ohne relevante Nebenwirkungen remittierte.


(17) Empfehlungsgrad A.
Wenn die Entscheidung für eine Behandlung mit typischen Antipsychotika in der Akuttherapie der Schizophrenie getroffen ist, sollten in erster Linie Haloperidol, Flupentixol, Fluphenazin oder Perazin verwendet werden, da u. a. hierfür eine qualitativ hochwertige "Evidenz" vorliegt.


(18) Empfehlungsgrad C.
Eine Monotherapie mit einem Antipsychotikum ist bei der Therapie der akuten schizophrenen Episode ist zu bevorzugen.


(19) Empfehlungsgrad C.
Bei krankhafter Erregung, Angst und innerer Unruhe empfiehlt sich die zeitlich befristete Kombination mit Benzodiazepinen (z. B. Lorazepam) nach den geltenden Bestimmungen.


Beibehalten konventioneller Antipsychotika

(20) Empfehlungsgrad C.
Wenn unter einem konventionellen Antipsychotikum eine gute Kontrolle der Symptome erreicht wurde und eine gute Verträglichkeit und Akzeptanz seitens des Patienten besteht, sollte nicht ohne Veranlassung auf ein atypisches Antipsychotikum umgestellt werden. In jedem Fall sollte der Betroffene jedoch auf das erhöhte Risiko von Spätdyskinesien hingewiesen werden.


Umstellung bei mangelnder Wirksamkeit

(21) Empfehlungsgrad C.
Eine Umstellung der antipsychotischen Pharmakotherapie oder Erhöhung über den empfohlenen Dosisbereich hinaus aufgrund einer nicht ausreichenden Wirkung sollte frühestens nach 2–4 Wochen vorgenommen werden.


Applikationsform des Antipsychotikums

(22) Empfehlungsgrad C.
Es sollte bei kooperativen Patienten die orale Applikationsform als am wenigsten invasive Maßnahme gewählt werden, da dadurch bei ähnlich guter Wirksamkeit die Patientenautonomie am besten gewährleistet wird, es sei denn, es besteht der Patientenwunsch nach einer anderen Darreichungsform.


Dosierung konventioneller Antipsychotika

(23) Empfehlungsgrad C.
Die Dosierung der konventionellen Antipsychotika zur Behandlung der akuten schizophrenen Episode sollte im Bereich von 300 bis maximal 1000 mg/d Chlorpromazin-Äquivalenten (CPZ) liegen. Hierbei sollte die niedrigste wirksame Dosis gewählt werden.


Dosierung von Haloperidol

(24) Empfehlungsgrad A.
Die Dosierung des konventionellen Antipsychotikums Haloperidol in der Behandlung der akuten schizophrenen Episode sollte, wenn möglich, nicht mehr als 10 mg/d betragen, da bei vergleichbarer Wirksamkeit oberhalb dieser Dosierung das Risiko von EPS erhöht ist.


Kombination von Antipsychotika mit Carbamazepin oder Valpronsäure

(25) Empfehlungsgrad B.
Eine Kombination von Antipsychotika mit Carbamazepin zur Behandlung der Positivsymptomatik kann nicht empfohlen werden, für die Kombinationstherapie mit Valproinsäure oder Lithium gibt es nur begrenzte Hinweise für eine bessere Wirksamkeit.


Differentielle Wahl und Dosierung des Antipsychotikums

(26) Empfehlungsgrad B.
Bei vorherrschender Negativsymptomatik sollten als Medikamente der ersten Wahl atypische Antipsychotika mit erwiesener Wirkung auf Negativsymptome eingesetzt werden.


(27) Empfehlungsgrad A.
Zur Behandlung kognitiver Beeinträchtigungen sollten atypische Antipsychotika bevorzugt eingesetzt werden.


Tabelle 4.1. Empfohlene Dosierung (oral) der Antipsychotika in der Akuttherapie

Benzodiazepine für Katatonie

(28) Empfehlungsgrad B.
Bei katatoner Symptomatik oder katatoner Schizophrenie sollten zeitlich begrenzt Benzodiazepine (in Kombination mit Antipsychotika) gegeben werden.


Antipsychotische Monotherapie

(29) Empfehlungsgrad C.
Eine Kombinationsbehandlung im Sinne einer gleichzeitigen Gabe mehrerer Antipsychotika ist mit Ausnahme der Therapieresistenz, nicht zu empfehlen.


Quelle: www.uni-duesseldorf.de


Verfahren zur Konsensbildung:

Methodik:
Angaben zur Methodik und zur Konsensusfindung sind im Methodikteil der gedruckten Langfassung zu finden.

Herausgeber
Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN)

Koordination:
Leitlinienprojektgruppe
Profs Gaebel W und Falkai P
Drs Wobrock T und Weinmann D

Kontaktadresse (Leitliniensekretariat):
Prof. Dr. Peter Falkai
Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie
Universitätsmedizin Göttingen
Von-Siebold-Str.5
37075 Göttingen
E-mail: Peter.Falkai@medizin.uni-goettingen.de

Erstellungsdatum:
10/1998
Letzte Überarbeitung:
11/2005
Nächste Überprüfung geplant:

11/2008, verlängert bis 11/2010


Copyright A. Knoblauch / | info@denkausbruch.de

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