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Praxis-Leitlinie
4.3.2 Langzeitbehandlung/Rezidivprophylaxe
Ein wesentliches Ziel der antipsychotischen Langzeit- oder Erhaltungstherapie ist neben der Symptomsuppression die Verhinderung von Rezidiven. Hierbei sollte die Kombination einer medikamentösen Langzeitbehandlung mit psycho- und soziotherapeutischen Verfahren angestrebt werden, da die Rückfallrate weiter reduziert wird und der Krankheitsverlauf weiter verbessert werden kann.
Etwa 20% derjenigen Patienten, die eine erste psychotische Episode erleben, zeigen im Verlauf keine erneuten psychotischen Symptome mehr. Bisher existieren jedoch keine prognostischen Prädiktoren für medikamentös unbehandelt günstige Verläufe oder Faktoren, die eine solide Abschätzung des Ansprechens auf die pharmakologische Therapie ermöglichen.
Rezidivprophylaktische Wirksamkeit konventioneller und atypischer Antipsychotika
(30) Good Clinical Practice.
Für die meisten Menschen mit gesicherter Schizophrenie ist die Gabe von antipsychotischen Medikamenten über die Akutphase hinaus indiziert. Hierbei muss zwischen einer Rezidivprophylaxe und einer symptomsuppressiven Therapie unterschieden werden.
(31) Empfehlungsstärke A.
Zur Langzeittherapie sollten Antipsychotika eingesetzt werden.
Auswahl der Medikation
(32) Good Clinical Practice.
Die Auswahl der Langzeitmedikation sollte gemeinsam vom Betroffenen und dem behandelnden Arzt auf der Basis ausreichender Information über Nutzen und Nebenwirkungen getroffen werden. Wenn möglich, sollten Angehörige und ggf. der gesetzliche Betreuer in Absprache mit den Betroffenen in den Entscheidungsprozess mit einbezogen werden.
(33) Empfehlungsstärke C.
Zur Langzeittherapie sollte dasjenige typische oder atypische Antipsychotikum beigehalten werden, unter dem eine Remission in der Akuttherapie bei guter Verträglichkeit erzielt werden konnte.
(34) Empfehlungsstärke A.
Bei der Auswahl des Antipsychotikums ist die überlegene rezidivprophylaktische Wirksamkeit der atypischen Antipsychotika als Gruppe gegenüber typischen Antipsychotika in der Langzeittherapie zu berücksichtigen
(35) Good Clinical Practice.
Bei der Auswahl zwischen verschiedenen Antipsychotika in der Langzeittherapie ist in jedem Fall das unterschiedliche Nebenwirkungsrisiko im Hinblick auf Spätdyskinesien, Sedierung, kardiale, metabolische und endokrine Effekte zu beachten.
Depot-Antipsychotika
(36) Empfehlungsstärke A/B.
Typische Depot-Antipsychotika (A) und das derzeit einzig verfügbare atypische Depot-Antipsychotikum Risperidon (B) sind aufgrund ihrer gesicherten Applikation und guten Bioverfügbarkeit eine wirksame Alternative zur oralen Medikation und sollten grundsätzlich in der Langzeittherapie in Erwägung gezogen werden.
(37) Good Clinical Practice.
Eine antipsychotische Depotmedikation empfiehlt sich besonders in den Fällen, in denen eine regelmäßige orale antipsychotische Medikation nicht sichergestellt ist, eine gesicherte Applikation aber dringend notwendig erscheint (z. B. schwere Fremd- oder Eigengefährdung im Rezidiv), oder wenn die Depot-Applikation eine Patientenpräferenz darstellt.
(38) Empfehlungsstärke C.
Aufgrund fehlender überlegener Wirksamkeit einzelner typischer Depot-Antipsychotika untereinander sollte die Auswahl anhand des Nebenwirkungsprofils und des Injektionsintervalls vorgenommen werden.
(39) Empfehlungsstärke C.
Bei der Entscheidung für ein antipsychotisches Depotpräparat ist das erwartungsgemäß als günstiger einzustufende Nebenwirkungsprofil des verfügbaren atypischen Depot-Antipsychotikums Risperidon (insbesondere im Hinblick auf das geringere Risiko von Spätdyskinesien) zu berücksichtigen.
Dauer und Dosis der antipsychotischen Langzeitmedikation
(40) Empfehlungsstärke A/B.
Bei einer Erstmanifestation sollte eine medikamentöse antipsychotische Behandlung über mindestens 12 Monate erfolgen.
(41) Empfehlungsstärke C.
Nach einem ersten Rezidiv sollte eine medikamentöse antipsychotische Behandlung kontinuierlich für 2 bis 5 Jahre (und nach multiplen Rezidiven gegebenenfalls lebenslang) erfolgen.
(42) Good Clinical Practice.
Die empfohlene Behandlungsdauer wird häufig durch eine Reihe von Randbedingungen wie die Motivation der Betroffenen, die psychosoziale Situation und die gesamte Versorgungsituation beeinflusst, die in der individuellen Behandlungssituation berücksichtigt werden müssen.
(43) Empfehlungsstärke A.
Bei Mehrfachmanifestation ist einer kontinuierlichen oralen Gabe eines Antipsychotikums ist der Vorzug vor intermittierenden Behandlungsstrategien zu geben.
(44) Empfehlungsstärke B.
Bei Erstmanifestation kann bei stabiler Remission und vorliegenden Gründen gegen die Fortführung einer Langzeitmedikation (z. B. mangelnde Akzeptanz) nach schrittweiser Dosisreduktion der Versuch einer Intervalltherapie mit gezielter Frühintervention bei Auftreten von Prodromen eines drohenden Rezidivs unternommen werden.
(45) Good Clinical Practice.
Wichtige Voraussetzung ist die Einbettung in eine psychoedukative Maßnahme mit Aufspüren der eigenen Frühwarnzeichen sowie der Aufbau eines individuellen Krisennetzes.
(46) Empfehlungsstärke B.
Nach Symptomremission kann die antipsychotische Dosis in der Langzeitbehandlung über längere Zeiträume schrittweise reduziert und auf eine niedrigere Erhaltungsdosis eingestellt werden. Dies gilt für atypische als auch konventionelle Antipsychotika. Bei konventionellen Antipsychotika sollte die Dosis in der Langzeittherapie zwischen 300 und 600 Chlorpromazin-Äquivalenz-Einheiten (CPZ), in Einzelfällen gegebenenfalls auch niedriger liegen, um ein Auftreten extrapyramidaler Nebenwirkungen zu minimieren.
Tabelle 4.2. Empfohlene Dosierung der Antipsychotika in der Langzeittherapie
Quelle: www.uni-duesseldorf.de
Verfahren zur Konsensbildung:
Methodik:
Angaben zur Methodik und zur Konsensusfindung sind im Methodikteil der gedruckten Langfassung zu finden.
Herausgeber
Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN)
Koordination:
Leitlinienprojektgruppe
Profs Gaebel W und Falkai P
Drs Wobrock T und Weinmann D
Kontaktadresse (Leitliniensekretariat):
Prof. Dr. Peter Falkai
Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie
Universitätsmedizin Göttingen
Von-Siebold-Str.5
37075 Göttingen
E-mail: Peter.Falkai@medizin.uni-goettingen.de
Erstellungsdatum:
10/1998
Letzte Überarbeitung:
11/2005
Nächste Überprüfung geplant:
11/2008, verlängert bis 11/2010